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Ende des vergangenen Jahres haben Faurecia und HELLA beide ihren 30. Geburtstag im chinesischen Markt gefeiert. In einem Interview sprechen Dr. Marcel Wiedmann und Chuan Ma über Geschichte, Gegenwart und die gemeinsame Zukunft.
Dr. Marcel Wiedmann ist seit August 2021 Managing Director des HELLA Corporate Centers in China; Chuan Ma ist Vice President China von Faurecia
Dienstag 14.02.2023
Marcel Wiedmann, Chuan Ma, sowohl HELLA als auch Faurecia haben kürzlich ihr 30-jähriges Bestehen in China gefeiert. Wenn Sie einen Zwischenfazit ziehen würden, wie würde dieses lauten?
Marcel Wiedmann: Ich würde sagen: Es ist eine Erfolgsgeschichte, die aus HELLA Sicht sogar noch einige Jahre früher begann. Denn bereits zehn Jahre zuvor hatte eine HELLA Delegation erstmals China bereist. 1992 haben wir dann die Serienproduktion aufgenommen, das war für uns der Startschuss im chinesischen Markt.
Chuan Ma: Es ist in der Tat ein bemerkenswerter Zufall, dass der Beginn unserer beider Aktivitäten in China auf dasselbe Jahr zurückdatiert. Denn 1992 ist ECIA, eines der Vorgängerunternehmen von Faurecia, eine Partnerschaft mit dem lokalen Zulieferer Wuhan Tongda eingegangen. Wenn wir heute auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurückblicken, kann ich nur sagen, dass wir uns in der Zeit zu einem wichtigen Akteur im chinesischen Markt entwickelt haben. Und ich hoffe, dass wir diese Position Seite an Seite mit HELLA nun noch weiter ausbauen können.
China hat einen umfassenden Wandel vollzogen. Heute ist das Land der größte Einzelmarkt der Automobilbranche und eine der wichtigsten Triebfedern des Branchenwandels. Wie haben Faurecia und HELLA mit diesem Prozess Schritt gehalten?
Ma: China ist ein äußerst spannender und wichtiger Markt für FORVIA, ohne jeden Zweifel. Erstens allein schon durch seine Größe: Jedes dritte Auto, das weltweit gefertigt wird, läuft hier vom Band. Zweitens, weil hier viele Zukunftstechnologien vorangetrieben werden. Die Nachfrage nach Automatisierung, Digitalisierung und Entertainment im Fahrzeug sind groß, auch bereits bei der jüngeren Bevölkerung. Und das alles wird hier mit extremer Geschwindigkeit, mit China Speed, forciert.
Wiedmann: Umso wichtiger war es, dass wir uns im chinesischen Markt erfolgreich etabliert und unsere Aufstellung konsequent ausgebaut haben. Der Slogan „In China, für China“, der sowohl für Faurecia als auch für HELLA gilt, ist keine leere Hülle, sondern beschreibt genau das, was wir jeden Tag tun und getan haben. Wir wollen und müssen nah am Markt sein und vor Ort investieren. Nur wer diesen Markt gut versteht, kann wirklich erfolgreich sein.
Dennoch hat der chinesische Markt in den letzten Jahren einige Dämpfer erhalten. Die Corona-Pandemie sorgte zunächst immer wieder für Lockdowns. Jetzt wurden viele Regelungen gelockert, was teils hohe Infektionszahlen und Personalausfälle zur Folge hatte.
Wiedmann: Es stimmt, die letzten Jahre waren nicht immer einfach. Zusätzlich zu den persönlichen Auswirkungen auf jeden Einzelnen, mussten wir auch mit den Konsequenzen für unsere Lieferketten, insbesondere den Engpässen für Elektronikkomponenten und Transportverzögerungen, umgehen. Was wir jedoch in den letzten drei Jahren gesehen haben, war die sehr hohe Hingabe aller Teams, sowohl von HELLA und Faurecia. Die Mannschaften haben gegen die Widrigkeiten gekämpft und ihr Bestes gegeben, die Produktion am Laufen zu halten. Sie sind wirklich die berühmte Extrameile gegangen, mit großem persönlichen Einsatz. Ihnen allen gehört großer Dank und Respekt.
Seit rund einem Jahr arbeiten HELLA und Faurecia eng unter dem gemeinsamen FORVIA Dach zusammen. Wie sieht aus Ihrer Sicht der Zwischenstand der Kooperation aus?
Ma: Wichtig ist zunächst, dass wir auch auf einer menschlichen, persönlichen Ebene den engen Schulterschluss vollzogen haben. Und das trotz aller Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat. Über lange Zeit konnte vieles nur rein virtuell stattfinden, Teams konnten sich teilweise nur eingeschränkt persönlich treffen. Dennoch war die Motivation groß, sich zu vernetzen und miteinander zu arbeiten. Das war die Grundlage für alles, was danach kam. Denn am Ende geht es vor allem um drei übergreifende Ziele: gemeinsam arbeiten, gemeinsam vorankommen, gemeinsam gewinnen. Und das trägt bereits Früchte.
Welche Erfolge konnten Sie verbuchen?
Wiedmann: Wir haben uns zunächst vor allem auf die Themen konzentriert, die im Projekt ONE übergreifend definiert worden sind, also zum Beispiel auf gemeinsame Tätigkeiten bei Einkauf und Logistik. Ein weiteres wichtiges Zwischenergebnis war die erfolgreiche Integration unserer Business Service-Aktivitäten in den Bereichen Finanzen, Einkauf und Vertrieb in die Global Business Services von Faurecia in Changchun.
Ma: Hinzufügen würde ich noch die OPM Week, die im Sommer letzten Jahres im Werk von Faurecia Clarion Electronics in Fengcheng stattgefunden hat. Wie wir gemeinsam unsere Prozesse hinterfragt, wie wir gemeinsam Lösungen gefunden haben, die unmittelbaren Erfolg bringen und sofort sichtbar sind, hat mich begeistert. Zumal die nächsten vergleichbaren OPM Weeks bereits geplant sind und dann unter anderem auch in Werken von HELLA stattfinden werden.
Wiedmann: Abschließend – unser gemeinsames FORVIA Dach. HELLA und Faurecia sind beides bereits starke Marken mit hohem Wertgehalt. Aber gemeinsam sind wir noch stärker. Das haben wir in den zurückliegenden Monaten auch gegenüber unseren Kunden zum Ausdruck gebracht, beispielsweise bei diversen Tech Shows und Kundenveranstaltungen. Und auch unsere Kunden sehen, wie sehr wir uns unter dem FORVIA Dach ergänzen und wie groß unser Innovationspotenzial ist.
Lassen Sie uns diesen Aspekt abschließend etwas konkretisieren. Welche Chancen sehen Sie für die gemeinsame Zukunft?
Wiedmann: Großes Potenzial sehe ich beispielsweise beim Kundenzugang. Faurecia ist ein wenig stärker als wir im Geschäft mit wichtigen lokalen Kunden. Davon können wir profitieren. Dafür verfügen wir traditionell über gute Beziehungen zum China-Geschäft deutscher Automobilhersteller, was wiederum Faurecia zugutekommen kann.
Ma: Darüber hinaus haben wir durch die Kombination unserer jeweiligen Produkte ein einzigartiges Technologieportfolio. Das, was der Markt in Zukunft benötigt, haben wir gemeinsam im Angebot. Vor allem sind wir technologiestark unterwegs, können unsere Kunden mit neuesten Innovationen begeistern. Das ist ein Aspekt, der nicht zuletzt chinesischen Automobilherstellern wichtig ist. Die Kombination von HELLA und Faurecia ermöglicht es FORVIA, sich voll und ganz auf die Megatrends in der Automobilindustrie auszurichten und einen wesentlichen Mehrwert für alle Beteiligten zu generieren.
Unter der Dachmarke FORVIA beschäftigen Faurecia und HELLA in China insgesamt rund 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 95 Entwicklungs-, Produktions- und Verwaltungsstandorten. Etwa 3.300 der Beschäftigten sind in Forschung und Entwicklung tätig.