FORVIA People
17.08.2023
„Ich wünsche mir mehr Mut und Unternehmergeist“
Rund 130 SMT-Linien gibt es bei HELLA und Faurecia. Beim Herzstück dieser Linien, den Bestückanlagen, wurde nun in enger Zusammenarbeit ein einheitlicher FORVIA Standard definiert. Synergieeffekte werden sich bereits in kurzer Zeit bemerkbar machen.
Die Bestückung von Leiterplatten ist ein wesentlicher, unverzichtbarer Schritt bei der Herstellung elektronischer Produkte. Jedes Jahr werden bei FORVIA insgesamt fast 30 Milliarden elektrische Bauteile auf solche Leiterplatten gesetzt
Donnerstag 03.08.2023
Die Bestückung von Leiterplatten ist ein essenzieller, unverzichtbarer Schritt in der Fertigung elektronischer Komponenten. Hierbei werden Elektronikkomponenten direkt auf die Leiterplatte platziert und anschließend gelötet, Surface Mount Technology wird dieser Produktionsschritt genannt (SMT, Oberflächenbestückung). Rund 130 solcher SMT-Linien gibt es im globalen FORVIA Verbund, knapp 80 bei HELLA, weitere 50 aufseiten von Faurecia Clarion Electronics. Jedes Jahr setzen sie fast 30 Milliarden elektrische Bauteile auf die Leiterplatten, die in elektronischen Steuergeräten, Radarsensoren oder Batteriemanagementsystemen verwendet werden.
SMT-Linien sind über 30 Meter lange Fertigungslinien, bei denen die unzähligen Trommeln und Rollen aneinanderreihen, die ein wenig aussehen wie alte Filmrollen aus dem Kino. „Die SMT-Bestückung hat sowohl für HELLA als auch für Faurecia eine große Bedeutung. Insofern lag hier von Anfang an eine enge Zusammenarbeit nahe“, sagt Markus Eschhaus, Head of Operations Industrialization Electronics bei HELLA.
Ziel ist, einen einheitlichen Standard für die SMT-Produktion im globalen FORVIA Verbund zu definieren, nach und nach die SMT-Linien also nur noch von einem Anlagenbauer zu beziehen. „Die Vorteile liegen ja auf der Hand: Gemeinsam können wir größere Mengen abrufen, günstiger beschaffen und Wartung und Instandhaltung vereinfachen. Zugleich können wir auf einen größeren Pool an potenziellen Lieferanten zurückgreifen, die als neuer Standardlieferant in Frage kommen. Wir arbeiten mit Herstellern zusammen, mit denen Faurecia keine Erfahrung hat, und umgekehrt“, sagt Eschhaus.
Eine Zeitschiene von insgesamt einem Jahr hat sich ein Projektteam aus je vier Beschäftigten von Faurecia und HELLA gegeben, Startschuss war im Frühjahr 2022. Um ein einheitliches Set-up für die SMT-Fertigung zu definieren, sind zunächst die besten drei Anlagenbauer in eine Short List aufgenommen und bewertet worden: Wie ist die Verlässlichkeit, wie hoch sind die Anschaffungs- und Produktionskosten, wie erfolgt die Anbindung an das Manufacturing Execution System?
Und: Die Linien wurden im Realbetrieb getestet, im HELLA Werk in Recklinghausen haben sie mehrere Hundert Leiterplatten für unterschiedliche Elektronikprodukte von HELLA und Faurecia bestückt, etwa für Steuergeräte, für Tagfahrlichter und für Türgriffe. „Das war das erste Mal, das wir Faurecia-Produkte in einem HELLA Werk gefertigt haben“, Stefan Kraft, Projektmanager für das Benchmarking bei HELLA.
Die Entscheidung ist nun vor wenigen Tagen gefallen: FUJI, ein japanischer Anlagenbauer, hat das Rennen gemacht, er soll künftig die SMT-Anlagen für FORVIA liefern. Bereits bis Ende 2025 führt dies zu Einsparungen im mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich, weil Anlagen zu niedrigeren Kosten eingekauft werden können und weitere Rabattierungen bei Service, Wartung und Ersatzteilen ausgehandelt wurden. „Das Kommerzielle ist der eine positive Aspekt. Der andere ist die ausgesprochen gute Zusammenarbeit der Teams über den gesamten Zeitraum des Benchmarks hinweg“, sagt Tim Li, Projetmanager für den Equipment Benchmark bei Faurecia.
Die erste Produktionslinie, die dem neuen Standard entspricht, wurde bereits für das neue HELLA Elektronikwerk in Timisoara bestellt. Weitere Aufträge werden bald folgen.