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22.10.2025
Neustart im Thermomanagement: HELLA setzt auf starke Symbolkraft
Dr. Christoph Koltermann ist Head of Operations Electronics bei FORVIA HELLA und Mitglied des GE-Boards. Warum Operations (die Produktion) für ihn absolut nicht nur Kennzahlen sind, man hier viele Eisen im Feuer hat und wie seine erste Assistentin bei FORVIA HELLA ihn unerwartet zur Ordnung brachte, erklärt er im Interview.
Dr. Christoph Koltermann ist Head of Operations Electronics bei FORVIA HELLA und Mitglied des GE-Boards
Dienstag 21.10.2025
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Infostand auf dem FORVIA HELLA-Gelände und müssten Ihren Job erklären. Wie sähe Ihr Stand aus?
Zunächst einmal würde ich sagen: In meinem Job habe ich viel mit Mitarbeitern und auch mit Produkten zu tun. Das ist das Spannende an Operations: Man arbeitet nicht nur an einem kleinen Detail, sondern kann jederzeit in der Fertigung sehen, wie auf Basis von Kundenanforderungen Ideen und Konzepte in materielle Produkte umgewandelt werden. An einem Infostand würde ich dann auch Produkte ausstellen und deren Einzelteile – einfach, um einen konkreten Montageprozess darzustellen. Unser extrem gut funktionierendes weltweites Produktionsnetzwerk ist im Übrigen eine Stärke von uns, die mit der Zeit erwachsen ist und auf die ich stolz bin. Und wir werden jeden Tag besser.
Was finden Sie an Ihrem Job besonders gut?
Ganz klar: Internationalität und Kommunikation. Ich bin gerne an den Standorten und tausche mich mit den Kollegen aus. Viele denken, Operations sei immer nur kennzahlengetrieben. Natürlich ist das auch so: Wir haben für jedes Thema eine Kennzahl. Die Kennzahlen erlauben uns, die Wirksamkeit der Prozesse zu messen und Verbesserungen aus Potenzialen abzuleiten, die wir haben. Auf der anderen Seite sind es aber Menschen, die die Themen umsetzen. Menschen, die man erreichen muss und mit denen man zusammenarbeitet.
Was mir noch besonders an meinem Job gefällt ist, dass er sehr unternehmerisch ist: die Wirtschaftlichkeit steht immer im Vordergrund. Dieser besondere Mix aus besagtem Unternehmertum, internationalem Austausch mit unterschiedlichen Menschen und auch Prozessen macht den Job aus.
Wenn Sie einen Tag lang Ihren Job mit einem anderen Mitarbeiter tauschen könnten, welchen Job würden Sie wählen?
Hier stelle ich mir einen Job in der Entwicklung vor. Das ist eine Tätigkeit, bei der viele Anforderungen zusammenkommen: Kundenanforderungen, Designguidelines, und auch Produktstrategien. Wir sitzen hier bei Operations zwar nicht in einem Silo – wir sind gut vernetzt. Dennoch sehen wir nicht immer die Randbedingungen, die vielleicht zu einer bestimmten Lösung geführt haben. Daher stelle ich es mir sehr spannend vor, zu sehen und zu verstehen, warum manche Dinge sind, wie sie sind.
Welche Information über Sie findet man nicht in Ihrem Lebenslauf?
Ich bin total unmusikalisch, stehe aber auf Rockmusik und Heavy Metal. Meine Söhne spielen jetzt Gitarre, bei mir hat es aber nie dafür gereicht. Ich höre aber unglaublich gerne Musik.
Woran erkennt man eindeutig: Das ist der Schreibtisch von Dr. Christoph Koltermann?
Wenn man in mein Home-Office kommt: Chaos! Wenn man in mein Büro im Werk kommt, herrscht Ordnung. Dazu gibt es eine kleine Geschichte: Als ich im Jahr 2008 gerade angefangen hatte bei FORVIA HELLA kam meine ehemalige Assistentin auf mich zu und sagte: „Herr Koltermann, bei uns sind die Schreibtische zum Feierabend aufgeräumt.“ Das war für mich damals tatsächlich eine ganz neue Erkenntnis. Aus meinem vorherigen Job war mir das neu und aus meinem Chaos zuhause auch. Mittlerweile habe ich die Ordnung verinnerlicht. Wir haben in Operations natürlich 5S-Standards, und ist es aus Vertraulichkeitsgründen völlig undenkbar, dass man irgendwelche Unterlagen auf dem Schreibtisch lässt. Zudem stellt sich die Frage heute auch gar nicht mehr in dem Maße, da die Arbeit vorwiegend digital stattfindet.
Was war Ihr persönlich bester FORVIA HELLA-Moment?
Ich kann mich da ehrlich gesagt gar nicht für einen konkreten Moment entscheiden. Das Gute an Operations ist ja: Man hat immer viele Eisen im Feuer! Und: je größer und globaler die Aufgabe, desto mehr Licht und Schatten gibt es. Gute Momente bleiben daher nie auf der Strecke.
Konkrete Höhepunkte sind für mich, wenn wir positives Kundenfeedback nach einer Eskalation erhalten. Wenn man sich eigene Fehler eingesteht, etwas daraus lernt und anschließend auch wieder auferstehen kann und der Kunde uns dafür seinen Respekt zollt.
Gelegentlich gibt es auch unerwartetes Mitarbeiterfeedback, mit dem man nicht gerechnet hat. Kürzlich war ich in Recklinghausen – da habe ich damals angefangen. Dort sprach mich dann eine Fachkraft an, der damals als junger Avitea-Mitarbeiter am Standort war und sich noch an unsere gemeinsame Zeit erinnert hat – ich war der Fabrikleiter. Wir haben uns dann freudig miteinander ausgetauscht. Während des Gesprächs stellte sich heraus, dass er seit jeher meinen Werdegang verfolgt hatte. Diese einzelnen Gespräche, aus denen man auch persönlich etwas mitnehmen kann, die empfinde ich als sehr bereichernd.
Ein weiterer besonderer Moment war, als ich erkannte: wir haben das erste Mal in unserer Geschichte seit zwei Monaten keinen Arbeitsunfall weltweit zu verzeichnen! Das Thema Arbeitssicherheit hat sich für uns mittlerweile zu einem absoluten Fokusthema entwickelt. Ehrlich gesagt haben wir es in den vergangenen Jahren etwas vernachlässigt, was ich bedaure. Umso mehr erfreut uns nun diese gute Nachricht.
Ihr persönliches Hobby?
Das Radfahren ist meine Leidenschaft. Bisher war es Rennradfahren, die Kinder haben mich jetzt aber auch noch zum Mountainbiken gebracht. Anders als beim Rennradfahren muss ich beim Mountainbiken noch sehr viel lernen – es ist eine schöne neue Herausforderung. Ausdauersport ist generell mein Ding.
Wenn ich nicht auf dem Rad sitze, lese ich auch gerne ein Buch – zuletzt habe ich mit meinem Sohn „Tagebuch eines Möchtegern-Versagers“ von Luc Blanvillain gelesen. Sehr zu empfehlen. Weitere Hobbies sind Gartenarbeit zum Entspannen oder auch Urlaube mit meiner Familie – egal ob aktiv oder auch ganz cool und entspannt.
Was wollten Sie schon immer gerne mal machen, zu dem Sie aber bisher nicht gekommen sind?
Eine Weltreise ohne Zeitdruck. Aber nicht als Backpacker. Ich erkunde gerne mit meiner Familie fremde Kulturen, lerne die Menschen vor Ort kennen und tausche mich mit ihnen aus. Internationalität und Kommunikation ist nicht nur ein wesentlicher geschätzter Bestandteil meines Jobs, sondern auch meines Privatlebens.