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„Am Ende geht es doch darum, dass man happy ist“

​​Sein Nachfolger ist an Bord, Zeit die letzten Themen abzuschließen und zurückzublicken. Wir sprechen mit Detlev Bökenkamp, 37 Jahre lang Rechtsanwalt der HELLA, über seine Karriere, den roten Teppich in Frankfurt und ein Vespa-Lackierprojekt.​

Detlev Bökenkamp

​​Schätzte in seinen 37 Jahren HELLA die Internationalität, die Kameradschaft und die herausfordernden Projekte: der langjährige HELLA Jurist Detlev Bökenkamp​

Montag 11.12.2023

​​​​Stanzer, Immobilienmakler, Datenschutzbeauftragter, Rechtsanwalt, Corporate Center Leiter. In seinen 37 Jahren bei HELLA hat Detlev Bökenkamp verschiedenste Aufgaben übernommen. Bekannt ist er vor allem als langjähriger Leiter der HELLA Rechtsabteilung, der entscheidende Wegmarken des Unternehmens begleitet hat. Ende des Jahres verabschiedet er sich in den Ruhestand. Zeit, noch einmal zurückzublicken.

​Herr Bökenkamp, was waren Ihre wichtigsten Stationen bei HELLA?

​Tatsächlich habe ich während meines Jura-Studiums an der Uni Münster bei HELLA als Werkstudent angefangen: damals in der Stanze. 1986 ging ich als Referendar in die Rechtsabteilung und nach meinem Abschluss als Volljurist dann ab 1989 als festangestellter HELLAner. Damals gehörte noch die Wohnungsstelle zur Rechtsabteilung. Das war jene Abteilung, die neuen Kolleginnen und Kollegen Wohnungen für ihren Start vermittelte und die Liegenschaft des Unternehmens verwaltete. Insgesamt haben wir damals rund 600 Wohnungen betreut. Sie können also sagen: Ich habe bei HELLA als Immobilienmakler gestartet (lacht). Zwischendrin war ich auch als Datenschutzbeauftragter tätig, 2002 habe ich dann die Leitung der Rechtsabteilung übernommen.

​Was ist heute undenkbar, hat man damals aber so gemacht?

​Damals haben wir alles viel hemdsärmeliger gemacht als heute. Wenn wir beispielsweise heute eine Transaktion vornehmen, beispielsweise eine Ausgliederung oder einen Kauf, dann beschäftigen wir damit zig Anwälte, Steuerberater und erstellen ein 250 Seiten dickes Vertragsdokument. Ich kann mich erinnern, als wir im Jahr 2000 das ZLE, das Zentrallager Erwitte, rechtlich verselbständigt haben, da haben mein Kollege Thomas Cramer und ich einen Vertrag geschrieben, der hatte 20 Seiten (lacht). Wir haben den Betriebsrat eingebunden, haben mit unserem Haus und Hof Steuerberater kurz gesprochen, waren in der Geschäftsführung und dann haben wir das einfach umgesetzt und das HD Erwitte geschaffen. Es gab kein Projektteam, kein Reporting, keine Power Point Folien. Das hat sich verändert, aber natürlich sind die Dinge heute auch deutlich komplexer.

​Woran erinnern Sie sich gern zurück?

​An meine Zeit in Mexiko. Ich wollte immer schon mal für längere Zeit im Ausland leben. Das reizt mich schon mein ganzes Leben lang. Ich wollte nie ein niedergelassener Anwalt, sondern international tätig sein, reisen. Bei HELLA konnte ich das, aber nie für längere Zeit. Als mich dann unser damaliger CEO, Dr. Breidenbach, fragte, ob ich für drei Monate in Mexiko das Corporate Center leiten möchte, habe ich sofort zugesagt. Ich weiß noch, wie er fragte: ‚Wollen Sie das nicht erst einmal mit Ihrer Frau besprechen?‘. Aber ich wusste, so eine Chance bekomme ich nie wieder. Meine Frau wollte eigentlich nie ins Ausland, aber sie machte just in der Zeit ein Sabbatical und meinte zu meiner großen Überraschung: ‚Was sagst du, wenn ich mitkomme?‘. So waren wir dann 2018 gemeinsam für drei Monate in Mexiko – ein spätes Geschenk für mich und das i-Tüpfelchen meiner Karriere. Ich wäre gern noch länger geblieben, aber es war schon in trockenen Tüchern, dass Stefan van Dalen mich ablösen würde, dann Matthias Wiehen.

​Sie kamen in der Tat verändert wieder zurück: Nicht nur braun gebrannt, sondern Sie trugen auch keine Krawatte mehr.

Krawatte gewöhnt man sich in Mexiko schnell ab – viel zu heiß. Und als ich nach Lippstadt zurückkam, kamen mehr und mehr junge Kolleginnen und Kollegen in die Führungsmannschaft – die trugen alle keinen Schlips mehr. Dr. Breidenbach schaute zunächst komisch und als ich ihn fragte, ob es in Ordnung sei, dass ich keinen Schlips mehr trage, sagte er nur: ‚Solange Sie keine Bermuda Shorts tragen und nicht erwarten, dass ich keine Krawatte mehr trage, dann ist das für mich in Ordnung‘ (lacht).

Was war denn Ihr größter Erfolg in den 37 Jahren HELLA?

​Mein Team so wie es heute ist. Legal, Compliance, Datenschutz, Security Management, Patente, ISO, Audit. Das Team ist schlank, funktioniert aber wahnsinnig gut. Und was soll ich sagen: Vier aus meinem Team leiten in der Zwischenzeit übergreifende FORVIA Funktionen – ein Rekord (lacht). Da bin ich stolz drauf. Ich hatte immer die richtigen Leute in meinem Team mit dem richtigen Spirit und offensichtlich wird das auch wahrgenommen. Wir haben auch mal einen Preis gewonnen – 2015 den renommierten JUVE Award, mit dem Rechtskanzleien, aber auch Inhouse-Rechtsabteilungen ausgezeichnet werden. Nominiert waren wir unter anderem mit TUI und BMW. Das Setting der Preisverleihung: Alte Oper in Frankfurt, Roter Teppich, Smoking. Also sind wir hin. Tatsächlich sind wir auf dem zweiten Platz gelandet – und haben BMW geschlagen. Das feiere ich heute noch.

​Was war Ihre schwierigste Entscheidung?

​Schwer zu sagen, aber wo ich wirklich gefordert war: 2012 bei der Kartelluntersuchung, die wir im Haus hatten. Ich weiß es noch ganz genau: Mit einem Mal standen unten im Haupteingang zehn Mann vom Bundeskartellamt mit einem Durchsuchungsbeschluss. Meine damalige Assistentin Frau Feldmeier hat noch versucht, die abzuwimmeln, aber dann waren sie drin. Wir haben zusätzlich eine eigene interne Untersuchung gemacht. Ich habe damals von Dr. Behrend das Mandat dafür bekommen und musste mit den Kolleginnen und Kollegen sprechen, die verdächtigt waren. Das war schwierig, denn man kannte die ja alle. Das Verfahren ist immer noch nicht ganz abgeschlossen, aber ansonsten bin ich stolz, dass alle Altlasten weg sind.

​In 3 Worten: Was bedeutet HELLA für Sie persönlich?

​HELLA ist geprägt durch Teamspirit. Ich habe mich hier immer wohl gefühlt, die Kameradschaft, die HELLA Familie zu schätzen gewusst. HELLA zeichnet sich für mich außerdem dadurch aus, dass man hier sehr eigenständig arbeiten kann. Expertise zählt mehr als Hierarchie. Nach meiner Erfahrung war es immer so, dass man der Person die Projektleitung oder Teamführung angeboten hat, die in der Situation am geeignetsten war. Da haben sich bei einigen Task Forces Personen hervorgetan, die man vorher gar nicht so auf dem Schirm hatte. HELLA bedeutet für mich drittens: Spaß an der Sache.

​Ein Blick in die Glaskugel: Wie stellen Sie sich HELLA in 30 Jahren vor?

​Ich hoffe, dass es die BG Lighting, Electronics und Lifecycle Solutions immer noch geben wird. Vor allem aber hoffe ich, dass es die HELLA Gene noch geben wird, die Kameradschaft in dieser unnachahmlichen HELLA Weise.

​Und wo findet man Detlev Bökenkamp demnächst?

​Ich mache erst einmal ein innerliches Sabbatical, eine ‚cool-down‘ Phase. Ich muss aber zugeben: Ich mag Verpflichtungen. Ich denke, ich werde auch weiter verpflichtenden Aufgaben, vielleicht Beratungsmandate übernehmen. Die ersten drei Monate findet man mich aber sicherlich in meiner Garage, in der ich eine alte Vespa aus dem Jahr 1974 reparieren und neu lackieren werde. Das muss bis 31. März 2024 fertig sein.

​Warum dieses spezielle Datum?

​Man sagt Juristen nach, sie seien chaotisch und ehrlich gesagt, stimmt das bei mir auch (lacht). Ich brauche jemanden, der um mich herum sortiert und ich brauche Deadlines – das ist meine große Lehre aus der HELLA Zeit. Hast Du eine Deadline, dann schaffst Du es auch.

​Was möchten Sie den Kolleginnen und Kollegen noch mitgeben?

​Dass sie ihre Arbeit wichtig nehmen sollen, aber der Mensch ist immer wichtiger als die Arbeit. Und man sollte sich treu bleiben. Man darf sich ein bisschen biegen, aber nicht verbiegen. Auch die Persönlichkeit ist wichtiger als der Job. Am Ende geht es doch darum, dass man happy ist.

​Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bökenkamp.

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