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Strategie: Lifecycle Solutions: „Wir müssen internationaler werden“

In einem dynamischen Marktumfeld verfolgt Lifecycle Solutions eine klare Marschroute: Das Geschäft soll innovativ, global und wettbewerbsfähig sein. Stefan van Dalen und Dr. Mario Winkelhaus erläutern im Interview, wie aus diesem Ziel Wirklichkeit werden soll.

Stefan van Dalen (Geschäftsführer Lifecycle Solutions, links) und Dr. Mario Winkelhaus, (Strategie Lifecycle Solutions) im Gespräch über die Transformation von Lifecycle Solutions – mit klarer Strategie und dem Blick auf nachhaltiges Wachstum

Lifecycle Solutions steht vor vielfältigen Herausforderungen in einem fragmentierten Markt: Preisdruck durch neue Wettbewerber, steigende Lohnkosten, Marktverschiebungen in Richtung Asien und Amerika; zudem stellt die zunehmende Komplexität moderner Fahrzeuge und die fortschreitende Digitalisierung die Business Group vor neue Aufgaben. Stefan van Dalen, Geschäftsführer Lifecycle Solutions, und Dr. Mario Winkelhaus, verantwortlich für Strategie, erläutern, wie die Business Group diesen Herausforderungen begegnet und welche Chancen sie sehen. Das Gespräch ist Teil einer Serie zu den Ergebnissen der jährlichen Strategieplanung. Bereits erschienen ist das Interview für den Lichtbereich, im Anschluss werden die Ergebnisse für den Bereich Elektronik vorgestellt.

 

Herr van Dalen, Hand aufs Herz: Waren die vergangenen anderthalb Jahre für Lifecycle Solutions nicht vor allem ein einziges Krisenmanagement?

 

Stefan van Dalen: Ich würde nicht von Krise sprechen. Es war aber auf jeden Fall eine Zeit, die nicht einfach war und in der wir unsere Hausaufgaben zu erledigen hatten. Wir haben nicht nur reagiert, sondern bewusst die Initiative ergriffen: Prozesse gestrafft, Strukturen verschlankt, unser Netzwerk angepasst – all das, um die Organisation auf eine zukunftsfähige Basis zu stellen. Natürlich waren darunter viele schwierige Entscheidungen. Aber jede einzelne Maßnahme folgte einem klaren Ziel: effizienter, anpassungsfähiger und widerstandsfähiger in die Zukunft zu gehen.

 

Immerhin wurden im Bereich Lifecycle Solutions viele Maßnahmen umgesetzt, darunter auch die Schließung des Standortes Nellingen, der Montage in Großpetersdorf sowie Stellenreduzierungen bei Hella Gutmann.

 

Mario Winkelhaus: Unsere Strategie fußt auf drei klaren Leitlinien: unser Geschäft zu internationalisieren, Kundennähe und wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen. Danach richten wir jede Entscheidung aus. Wir haben beispielsweise unsere globale Marktpräsenz ausgebaut – etwa in Asien – und gezielt unser Produktportfolio erweitert, beispielsweise durch den Wiedereinstieg ins Thermogeschäft. Und wir haben auch strukturelle Anpassungen vornehmen müssen, um Überkapazitäten abzubauen, aber auch um dem erwarteten Wachstum in den asiatischen und amerikanischen Märkten zu folgen. Wir wollen attraktiv und interessant bleiben, in neue Produkte investieren, neue Märkte erschließen. Das geht nur, wenn wir hierfür die notwendigen finanziellen Mittel und die richtigen Kostenstrukturen haben.

 

Welche konkreten Erfolge sehen Sie seither?

 

Stefan van Dalen: Wir haben uns keine der Maßnahmen, die wir getroffen haben, leicht gemacht. Aber ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Ein Beispiel: Bei Special Original Equipment, also unserem Nutzfahrzeuggeschäft, lag der Auftragseingang im ersten Halbjahr um rund 10 Prozent über unserem eigentlichen Ziel. Internationale Großkunden wie John Deere spiegeln uns wider, dass wir mit unseren Anpassungen auf dem richtigen Weg sind. Es wird von uns erwartet, dass wir nah beim Kunden sind und gleichzeitig zu wettbewerbsfähigen Kosten aus einem internationalen Produktionsverbund anbieten.

 

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation von Lifecycle Solutions?

 

Mario Winkelhaus: Sowohl im SOE-Bereich als auch im Ersatzteil- und Werkstattgeschäft rechnen wir auf kurze und mittlere Sicht nicht mit nennenswerten Impulsen vom Markt. Gleichzeitig kommt das Wachstum, das wir derzeit annehmen, überproportional aus den Regionen außerhalb Europas. Der Wettbewerb durch asiatische Anbieter verschärft den Druck. Wir sind bei Lifecycle Solutions in Summe noch zu europäisch aufgestellt. Für uns heißt das, dass wir in Europa stark bleiben, aber unsere Aufstellung insgesamt weiter globalisieren müssen. Das sehe ich jedoch nicht als Herausforderung, sondern als riesige Chance.

 

Stefan van Dalen: Wir haben eine starke Basis: ein breites Portfolio mit Beleuchtungs- und Elektronikprodukten sowie eine führende Position im europäischen Aftermarket. Im Bereich SOE beobachten wir seit dem vierten Quartal 2024 eine Stabilisierung. Der Umsatzrückgang flacht sich ab, der Auftragseingang entwickelt sich erfreulich. Nach aktueller Planung erwarten wir ab 2027 wieder ein stabiles Wachstum – nicht zuletzt, weil wir frühzeitig auf die von Mario beschriebene neue Marktrealität reagiert und entsprechende Maßnahmen ergriffen haben. Im Aftermarket sehen wir, dass die gesamte Branche seit dem ersten Quartal dieses Jahres unter erheblichem Druck steht und entweder rückläufige oder stagnierende Entwicklungen verzeichnet. Der Markt agiert sehr zurückhaltend, und der Wettbewerbsdruck ist hoch.

 

Insgesamt erwarten Sie für Lifecycle Solutions mittelfristig wieder Wachstum. Womit rechnen Sie konkret?

 

Stefan van Dalen: Unser Ziel ist es, bis 2030 jährlich in etwa im mittleren einstelligen Prozentbereich zu wachsen, vielleicht auch etwas mehr. Damit würden wir deutlich über dem Marktwachstum liegen. Das ist ambitioniert, und natürlich auch mit etwas Unsicherheit behaftet. Aber unser Geschäftsmodell gibt das her. Dieses – und teilweise auch das nächste Jahr – ist vor allem noch eine Phase der Konsolidierung. Danach erwarten wir, nach allem, was wir derzeit abschätzen können, Chancen in allen unseren Geschäftsfeldern. Klar ist aber auch: Das fällt uns nicht in den Schoß. Wir müssen uns in einem harten Wettbewerb behaupten und alles dafür tun, die Chancen, die vor uns liegen, dann auch zu nutzen.

 

Wie wollen Sie das angehen?

 

Mario Winkelhaus: Wir müssen attraktiv bleiben. Der Wiedereinstieg in das Thermogeschäft ist ein gutes Beispiel, dazu zählt aber auch der Ausbau des Lkw-Geschäfts im IAM. Im Bereich der Werkstattprodukte setzen wir verstärkt auf E-Commerce-Geschäft und White-Label-Strategien. Das bedeutet: Unsere Lösungen und Produkte vertreiben wir nicht nur unter unserer eigenen Marke, sondern auch im Namen unserer Partner – beispielsweise im Bereich Remote Services und Diagnosegeräte. So erschließen wir neue Zielgruppen. Darüber hinaus treiben wir mit Hella Gutmann digitale Innovationen voran, insbesondere in den Bereichen ADAS und Konnektivität. Das ist vielversprechend, allerdings auch mit hohen Investitionen verbunden, die wir uns leisten können müssen. Mit Blick auf SOE möchten wir den Vertriebskanal für das gesamte FORVIA-Portfolio öffnen und SOE als zentralen Anbieter für Nutzfahrzeugkunden etablieren. Unser Ziel ist es, den Kunden ein umfassendes Angebot zu machen – unabhängig davon, aus welcher Sparte des FORVIA-Konzerns die Produkte stammen. Nicht zuletzt gilt für alle Bereiche: Wir müssen unsere regionale Präsenz weiter ausbauen und uns noch stärker in Richtung Asien und Amerika orientieren.

 

Im asiatischen und amerikanischen Raum hat Lifecycle Solutions, verglichen mit Europa, derzeit noch recht wenige und eher kleine Standorte.

 

Stefan van Dalen: Das ist richtig, da haben wir womöglich Nachholbedarf. Wir müssen uns daher unser Netzwerk anschauen. Und wir müssen prüfen, ob wir in neue Produktionsstätten in Nord- und Südamerika investieren müssen. Zudem nehmen wir in den Blick, inwiefern wir unsere Produktionskapazitäten auch in Indien ausbauen müssen, um die dortige Marktnachfrage bedienen zu können.

 

Welches übergeordnete Zielbild verfolgen Sie für Lifecycle Solutions langfristig?

 

Stefan van Dalen: Das Zielbild leitet sich aus unserer Vision ab, den Lebenszyklus sämtlicher Fahrzeuge und Maschinen zu verlängern. Das ist gut für unsere Kunden und unseren Planeten, aber auch für uns als Business Group, die an diesen globalen Megatrends partizipieren kann. Entscheidend auf diesem Weg ist dabei eine ausgewogene Balance: eine schlanke Kostenstruktur und gleichzeitig innovative Produkte, die attraktiv und wettbewerbsfähig sind.

 

Mario Winkelhaus: Wir wollen etwas bewirken – nicht nur für uns selber, sondern auch für unsere Kunden, Partner und Mitarbeitenden. Jede Herausforderung eröffnet neue Chancen, die wir aktiv anpacken.

 

Stefan van Dalen: Ganz genau. Unsere größte Stärke liegt in unserem engagierten Team und unserem starken Produktportfolio. Ja, Veränderung ist oft schwierig, aber sie ist zentral, um zukunftsfähig zu bleiben. Unser Weg ist klar: Wir wollen nachhaltige, effiziente Mobilität sicherstellen und den Wert von Fahrzeugen auf lange Sicht maximieren.

 

Herr van Dalen, Herr Winkelhaus - vielen Dank für das Gespräch.

 

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