Wettbewerbsfähigkeit
26.06.2024
Lichtproduktion in Lippstadt wird neu ausgerichtet
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur erforderlichen Neuausrichtung der Lichtproduktion am Standort Lippstadt im Überblick.
Wesentliche Fragen und Antworten zu den erforderlichen Strukturmaßnahmen, die heute für die Lichtproduktion Lippstadt bekanntgegeben worden sind
Mittwoch 26.06.2024
FORVIA HELLA hat heute Strukturmaßnahmen bekanntgegeben, mit denen die Lichtproduktion in Lippstadt für die Zukunft wettbewerbsfähig aufgestellt werden soll. In dem Zuge wird zum einen das Portfolio des Standortes auf die Fertigung innovativster Scheinwerfer spezialisiert; zum anderen ist geplant, rund 420 Stellen im Stammpersonal des Werks abzubauen. Die wichtigsten Fragen und Antworten hierzu sind nachfolgend zusammengefasst:
Warum werden jetzt im Werk 2 Stellen abgebaut?
Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit richten wir die Lichtproduktion am Standort Lippstadt neu aus. Grund hierfür sind zum einen die strukturellen Veränderungen im europäischen Marktumfeld. Diese sind grundlegend und wir erwarten, dass sie auch längerfristig Bestand haben werden. Sie verschärfen die ohnehin herausfordernde Situation von Werk 2 weiter. Zum anderen konnte trotz intensiver Bemühungen in den letzten Jahren das Werk nicht auf das Produktivitäts- und Leistungsniveau gehoben werden, das wir brauchen, um für das Werk ausreichend rentables Neugeschäft zu gewinnen. Fakt ist: Das Werk macht aktuell hohe Verluste. 50 Millionen Euro allein in den letzten zwei Jahren.
Um Geld verdienen zu können, müssten wir in der aktuellen Aufstellung des Werkes Kunden neue Projekte zu deutlich höheren Preisen anbieten. Damit sind wir jedoch gegenüber der heutigen und auch der sich zukünftig verschärfenden Konkurrenz nicht wettbewerbsfähig; neue Aufträge für das Werk 2 zu gewinnen wäre wirtschaftlich nicht möglich.
Werk 2 befindet sich daher an einer entscheidenden Wegmarke. Wir müssen das Werk jetzt konsequent neuausrichten: Wir müssen Werk 2 technologisch spezialisieren, das Produktivitätsniveau erhöhen und insgesamt die Kostenbasis senken. Nur so kann das Werk in ausreichendem Umfang profitables Neugeschäft gewinnen, nur so können wir den Standort vor dem Hintergrund deutlich verändernder Marktbedingungen für die Zukunft wettbewerbsfähig aufstellen.
Die Neuausrichtung bietet dem Werk 2 daher eine echte Perspektive.
Wie viele Stellen sollen in welchen Bereichen und in welchem Umfang abgebaut werden?
Insgesamt planen wir in der Lichtproduktion im Werk 2 rund 420 der Stellen im Stammpersonal abzubauen. Dies bedingt auch, dass wir schrittweise den Einsatz von Leiharbeitnehmern in der Lichtproduktion in Werk 2 reduzieren.
Die erforderlichen Personalanpassungen sollen bis spätestens Mitte 2026 erfolgen und so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden. Dafür werden wir zeitnah Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen. Die weiteren Details werden in diesem Rahmen ausgearbeitet.
Wir hoffen, die Zeit der Unsicherheit für die betroffenen Mitarbeiter so gering wie möglich halten zu können und gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern eine für alle Seiten tragfähige Lösung zu finden.
Wie ist man auf die geplante Personalabbauzahl für die Lichtproduktion in Lippstadt gekommen? Wie setzt sich die Anzahl zusammen?
Die erforderliche Stellenreduzierung ergibt sich aus der Spezialisierung des Werkes auf die Fertigung innovativster Scheinwerfertechnologien und der damit einhergehenden Verlagerung des Innenlichtpakets, der Heck- und Karosseriebeleuchtungsprojekte sowie der Nachserienprojekte in andere Werke sowie aus den geplanten Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung und dem Abbau von Überkapazitäten. Diese Neuausrichtung des Werks bildet die Grundlage dafür, in Zukunft aus dem Werk 2 heraus profitable und wettbewerbsfähige Projekte anzubieten und in ausreichendem Maße gewinnen zu können.
Wird es auch an weiteren Standorten einen Stellenabbau geben?
Im Hinblick auf Strukturmaßnahmen steht aktuell die Lichtproduktion am Standort Lippstadt im Fokus. Dennoch gilt insbesondere auch für die weiteren deutschen und europäischen Standorte, die Wettbewerbsfähigkeit konsequent hochzuhalten, um angesichts des weiter steigenden Kostendrucks im Markt langfristig bestehen zu können.
Wie sieht aus Sicht von FORVIA HELLA die „neue Normalität“ aus – im Hinblick auf die Marktgröße in Europa, den Wettbewerb und das Marktverhalten der Automobilhersteller?
Für das Jahr 2025 gehen Prognosen aktuell gerade einmal von 16 bis 17 Millionen produzierten Fahrzeugen in Europa aus – 3 bis 4 Millionen weniger als noch 2020 erwartet wurden. Das ist annähernd so viel wie die Anzahl der insgesamt in Deutschland produzierten Fahrzeuge (rund 4 Mio. in 2023). Wir rechnen zudem damit, dass der europäische Markt bis 2030 auf einem Level von rund 17 Millionen Fahrzeugen weiter stagnieren wird.
Die geringen Volumina sind aber nur ein Faktor, der den Wettbewerbsdruck verschärft. Wir gehen zweitens von einem weiterhin hohen Kostenniveau aus – insbesondere durch anhaltend hohe Material-, Energie- und Lohnkosten. Auch die Lieferketten werden volatil bleiben. Drittens verändern sich Kunden- und Zulieferstrukturen signifikant. Chinesische Hersteller und Zulieferer werden auch in Europa weiter Fuß fassen. Mit deren niedrigerem Kostenniveau werden wir uns künftig messen müssen.
In Summe wird dies den heute schon hohen Kosten- und Wettbewerbsdruck im europäischen Raum drastisch verschärfen. Diese Veränderungen im europäischen Marktumfeld sind grundlegend und wir erwarten, dass diese auch längerfristig Bestand haben werden.