Message from the CEO
29.06.2022
„Ich blicke mit Demut und Dankbarkeit zurück”
Die Business Group Elektronik besteht unter dem FORVIA Dach aus einer Einheit bei HELLA und einer bei Faurecia. Geleitet werden sie von Björn Twiehaus und Olivier Durand. Im Interview sprechen sie über die bisherige Zusammenarbeit, erste Erfolge und nächste Schritte.
Die rund ersten 100 Tage seit Day One sind vergangen. Erste Erfolge sehen Olivier Durand, Executive Vice President Faurecia Clarion Electronics, und Björn Twiehaus, HELLA Geschäftsführer Elektronik, unter anderem in erfolgreichen Preisverhandlungen mit Lieferanten und im gemeinsamen Messeauftritt in Japan, dem ersten unter dem gemeinsamen FORVIA Dach.
Montag 27.06.2022
Olivier Durand, Björn Twiehaus: Sie haben von Anfang viel Wert auf eine enge Zusammenarbeit gelegt, nicht nur zwischen den Elektronikeinheiten von HELLA und Faurecia, sondern auch zwischen Ihnen beiden persönlich. Was schätzen Sie an Ihrem Gegenüber besonders?
Twiehaus: Oh, jetzt muss ich kurz überlegen… (lacht).
Durand: Soll ich einspringen? Björn verfügt über umfassendes Wissen über Märkte, Kunden und Technologien. Entscheidend ist vor allem auch, dass wir beide eine gute persönliche Beziehung zueinander aufgebaut haben. So können wir offen über alles diskutieren, sowohl über Elektronikthemen als auch über FORVIA insgesamt.
Twiehaus: Nun, Scherz beiseite: Olivier ist sehr charismatisch, partnerschaftlich und professionell. Das ist nicht zuletzt auch die Basis für den Enthusiasmus, mit dem unsere beiden Elektronikeinheiten seit Day One zusammenarbeiten. Egal, mit wem wir sprechen: Wir spüren überall, dass die Kolleginnen und Kollegen überzeugt sind von der Kooperation, von unseren Wachstumsaussichten und von den zusätzlichen Chancen.
In welchen Bereichen können HELLA Electronics und Clarion Electronics voneinander lernen?
Twiehaus: Eigentlich in allen Bereichen – von Methoden über Prozesse bis hin zu Werkzeugen. HELLA seitig konnten wir bereits von FCE lernen: Wir haben unter anderem ein Reporting zum Monitoring von Projektanläufen von Clarion Electronics übernommen, das uns weiter nach vorne bringt.
Durand: Clarion ist jünger als HELLA Electronics. So können wir vom großen Erfahrungsschatz von HELLA profitieren, etwa in der Entwicklung oder in der Produktion. HELLA nutzt in der Fertigung zum Beispiel ein gutes Trackingtool zur detaillierten Rückverfolgbarkeit einzelner Produktionsschritte. Das werden wir jetzt übernehmen. Viele Kollegen bei Clarion haben mir bereits gesagt, dass wir so etwas in der Form viel eher gebraucht hätten.
Die rund ersten 100 Tage seit Day One liegen hinter uns. Was sind aus Ihrer Sicht die drei größten Erfolge, die in dieser Zeit erzielt wurden?
Durand: Wichtig war erstens, die richtigen Grundlagen zu schaffen. Nicht nur organisatorisch, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Einstellung, mit der wir an die Sache herangehen. Wir sind nach wie vor zwei getrennte, rechtlich unabhängige Einheiten. Umso wichtiger ist es, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut und effektiv zusammenarbeiten können. Zweitens: die gemeinsamen Verhandlungen mit unseren Lieferanten. Hier konnten wir bereits die ersten Preisnachlässe erzielen. Das ist sehr ermutigend, aber ich sehe noch weitaus mehr Potenzial. Drittens: unser gemeinsamer FORVIA Stand auf der Automobilmesse in Japan. Das war ein weiterer wichtiger Meilenstein, unsere gemeinsame Dachmarke FORVIA im Markt zu positionieren.
Twiehaus: Olivier hat bereits die wesentlichen Themen angesprochen. Wir haben begonnen, unsere Organisationsstrukturen weiterzuentwickeln, indem wir sie noch stärker mit dem Set-up von Faurecia harmonisieren und beispielsweise auch gezielte Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen eigens für den Elektronikbereich forcieren. Und: unser gemeinsamer Messeauftritt in Japan. Es fühlte sich tatsächlich so an, als wären wir schon ein Unternehmen. Mehr noch: Ich hatte vor allem den Eindruck, dass unsere Kunden das genauso sehen und die Stärken der Zusammenarbeit erkennen.
Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten 100 Tage gesetzt?
Twiehaus: Die Resonanz im Markt ist positiv. Das müssen wir jetzt schrittweise in Aufträge ummünzen. Dazu müssen wir nun auch eine klare Roadmap für unser Produktportfolio definieren. Mit Blick auf die nächsten 100 Tage liegt es mir vor allem auch am Herzen, die Kolleginnen und Kollegen von Clarion Electronics so schnell wie möglich persönlich zu treffen. Die Corona-Einschränkungen waren in dieser Hinsicht bisher ein großes Hindernis. Das dürfte jetzt hoffentlich besser werden.
Durand: In den nächsten 100 Tagen werden wir auch den ersten gemeinsamen Elektronikstandort von HELLA und Faurecia etablieren. Der Prozess läuft bereits. So werden die Kollegen von Clarion Electronics in den USA an den HELLA Standort in Northville, Michigan, ziehen. Auch dann werden wir weiterhin zwei eigenständige Unternehmen bleiben. Aber es ist gut, wenn die Kolleginnen und Kollegen unter einem Dach zusammenkommen, zusammenarbeiten und Kunden und Geschäftspartner gemeinsam treffen können. Das macht vieles einfacher und schweißt vor allem auch zusammen.
Sie haben gemeinsame Projektakquisen angesprochen. Was könnten erste FORVIA Produkte im Elektronikbereich sein?
Durand: Da gibt es vielfältige Möglichkeiten. Gemeinsam bieten wir bereits ein umfassendes Portfolio, das zu den drei strategischen Hebeln für das Wachstum von FORVIA beiträgt: Elektrifizierung und Energiemanagement, automatisiertes und sicheres Fahren sowie digitale und nachhaltige Cockpit-Erlebnisse.
Twiehaus: Assistiertes und automatisiertes Fahren ist sicherlich vorne mit dabei. Das ist ein Thema, das auch Clarion Electronics besetzt, etwa im Hinblick auf automatisiertes Parken. Dort werden aktuell primär Ultraschallsensoren verwendet. Perspektivisch könnten verstärkt Radarsensoren zum Einsatz kommen. Ein anderes Beispiel sind unsere Sitzsteuermodule. Vor allem mit Blick auf europäische Kunden waren wir da zuletzt nicht mehr so stark aufgestellt. Jetzt kommen Kunden explizit auf uns zu, weil wir zusammen mit Faurecia das entsprechende Know-how haben. Überhaupt ist der Innenraum ein Thema, in dem wir gemeinsam viel machen können: mit den Displays von Clarion, den Sitztechnologien von Faurecia, unseren Lichtlösungen sowie unseren X-by-wire-Pedalsensoren. Wir haben also beste Voraussetzungen, zu einem umfassenden Systemanbieter für den Innenraum zu werden.
Die Business Group Elektronik möchte bis 2025 zusammen einen Umsatz von rund 7 Milliarden Euro erzielen, mehr als doppelt so viel wie heute. Wie kann diese Ambition erreicht werden, trotz der Corona-Lockdowns, Lieferengpässe und des Kriegs in der Ukraine?
Twiehaus: Das ist eine perfekte Frage für den neuen CFO von Faurecia (Olivier Durand wird ab 1. Juli neuer Chief Financial Officer von Faurecia werden und Clarion Electronics für eine Übergangszeit weiter beaufsichtigen, Anm. d. Redaktion).
Durand: Das bringt mich jetzt ein bisschen in die Bredouille. Mal sehen, ob ich mir mit dem neuen CFO einig bin. Nein, im Ernst: Die Ziele sind realistisch, weil sie auf konkreten Kundenaufträgen basieren. Natürlich gibt es zurzeit große Herausforderungen in unserem Marktumfeld. Der Krieg in der Ukraine ist schrecklich. Damit ist unfassbares menschliches Leid verbunden. Zugleich beeinträchtigen vor allem die Lockdowns in China und die massiven Lieferengpässe unser Tagesgeschäft spürbar. Auf mittelfristige Sicht ist die Kundennachfrage aber definitiv da, um unsere Ziele zu erreichen.
Twiehaus: Ich stimme Olivier absolut zu. Trotz aller Herausforderungen sind unsere Wachstumsziele nicht in Gefahr. Schon in den letzten beiden Geschäftsjahren haben wir unsere Akquiseziele teils deutlich übererfüllt. Für die kommenden Monate erwarten wir den größten Auftragseingang, den es je bei uns im Elektronikbereich gegeben hat. Das wäre sogar weitaus mehr, als wir für das 7 Milliarden Euro-Ziel benötigen würden.
Durand: Um das Wachstum zu realisieren, brauchen wir die notwendigen Ressourcen und Talente. Fachkräftemangel könnte daher ein limitierender Faktor werden, dem wir vorbeugen müssen. Zugleich müssen wir mit der steigenden Inflation umgehen. Gerade für Zulieferer ist ein Markt mit anziehenden Preisen ein schwieriges Umfeld, weil wir die Preiserhöhungen nicht uneingeschränkt an unsere Kunden weitergeben können.
Twiehaus: Außerdem sind die Lieferengpässe noch immer nicht ausgestanden. Aktuell gehen wir davon aus, dass diese bis mindestens Ende 2023 andauern werden. Bislang haben wir die Knappheiten gut gemeistert und bekommen hierfür auch sehr positives Feedback von unseren Kunden, weil viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Extrameile gehen und sprichwörtlich um jedes einzelne Teil kämpfen. Das unterscheidet uns von den meisten Marktbegleitern und zeigt, wie viel Potenzial im Unternehmen steckt und dass wir gemeinsam selbst in solch herausfordernden Zeiten Wettbewerbsvorteile erarbeiten können. Dafür möchte ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen herzlich bedanken.