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„Ich werde vor allem die Zusammenarbeit vermissen“

Zum Ende des Monats legt Dr. Rolf Breidenbach sein Amt als HELLA CEO nieder. 18 Jahre lang hatte er den Posten inne. Im Gespräch blickt er auf diese Zeit zurück, spricht über Erfolge, Fehler und seine Zeit nach HELLA.

Abschiedsinterview

„Ich empfinde es rückblickend als großes Privileg, dass ich über eine so lange Zeit so viel Vertrauen bei HELLA erfahren durfte“, sagt Dr. Rolf Breidenbach anlässlich seines Ausscheidens aus dem Unternehmen. Seit 2004 ist der Maschinenbauingenieur Vorsitzender der HELLA Geschäftsführung, das Amt hat er seinerzeit als erster familienfremder Manager übernommen

Montag 20.06.2022

Herr Dr. Breidenbach, mehr als 18 Jahre lang waren Sie Vorsitzender der HELLA Geschäftsführung, nun endet diese Zeit. Sind Sie traurig oder erleichtert?

Traurig wäre wohl das falsche Wort, wehmütig trifft es eher; vor allem, weil ich über eine so lange Zeit mit vielen tollen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten durfte. Das werde ich vermissen. Zugleich spüre ich, dass nun auch eine Last Schritt für Schritt abfällt, die mit der Position eines CEO verbunden ist. Termine, Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit – das alles habe ich gerne für HELLA in Kauf genommen. Aber jetzt freue ich mich auch darauf, künftig mehr Freiheiten und Flexibilität zu haben.

Hätten Sie bei Ihrem Amtsantritt 2004 gedacht, fast zwei Jahrzehnte an der Spitze des Unternehmens zu stehen?

So etwas war und ist nicht planbar. Die Automobilbranche unterliegt einem hohen Veränderungsdruck. Wechsel an der Spitze von Unternehmen gehören daher immer mehr zur Tagesordnung. Umso mehr empfinde ich es rückblickend als großes Privileg, dass ich über eine so lange Zeitstrecke das Vertrauen von Gesellschaftern, Gremien und Beschäftigten, aber auch von unseren Kunden und Geschäftspartnern erfahren durfte.

Als CEO haben Sie jahrelang die Verantwortung für das Unternehmen und seine über 36.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getragen. Was muss man hierfür mitbringen?

Erstens darf man seine eigene Leistung nicht überschätzen und sollte stets mit Demut an seine Aufgabe herangehen. Das ist aus meiner Sicht das wichtigste. Auch als CEO ist man immer Teil eines Teams, nur gemeinsam kann man erfolgreich sein. Zweitens muss man gut zuhören können, unterschiedliche Meinungen und Befindlichkeiten aufnehmen und berücksichtigen. Drittens muss man auch bereit sein, zu führen und klare Entscheidungen zu treffen.

Über welchen Erfolg in Ihrer HELLA Zeit freuen Sie sich am meisten?

HELLA hat sich in den letzten Jahren außerordentlich gut entwickelt. Das ist nicht die Leistung eines Einzelnen, dazu haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit beigetragen. Es fällt mir daher schwer, bestimmte Punkte herauszugreifen. Wenn ich mich aber auf einen Aspekt festlegen müsste, würde ich sagen: die Entwicklung des Elektronikbereiches. HELLA ist inzwischen auch ein führender Elektronikanbieter, das war vor 20 Jahren noch nicht der Fall. Zusammen mit unserem starken Lichtgeschäft und unseren erfolgreichen Non-Automotive-Aktivitäten sind wir damit für die Zukunft gut aufgestellt.

Gibt es auch Fehler, die Sie bereuen?

Selbstverständlich habe ich auch Fehler gemacht. Während meiner Zeit bei HELLA hat es Dinge gegeben, die ich heute mit Sicherheit anders angehen würde. Ich habe beispielsweise hier und da nicht die richtigen Personalentscheidungen getroffen. Teilweise habe ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu früh zu viel Verantwortung übertragen und sie dann in ihrer Rolle nicht ausreichend unterstützt. Das ist etwas, was ich im Nachhinein gerne besser gemacht hätte.

In Ihrer Zeit bei HELLA mussten Sie das Unternehmen durch mehrere Krisen lenken: Die Finanzkrise 2008/2009, die Corona-Pandemie, Halbleiterengpässe, Ukraine-Krieg. Welche Krise hat Sie am meisten gefordert?

Grundsätzlich ist jede Krise anders, jede hat ihre eigenen Herausforderungen. Der Angriffskrieg auf die Ukraine ist zweifelsohne schrecklich, das Leid der Menschen in dem Land erschüttert mich. Mit Blick auf HELLA würde ich aber sagen, dass die Bewältigung der Halbleiterkrise bisher mit am anspruchsvollsten war. Hier sind viele Dinge zusammengekommen: Die massiven Knappheiten sind ziemlich unvorhergesehen eingetreten. Sie haben plötzlich vieles durcheinandergebracht und waren mit großen Risiken verbunden. Zugleich waren uns als Unternehmen die Hände weitgehend gebunden. Wir hatten nur begrenzte Möglichkeiten, effektiv dagegenzuwirken; wir waren stark von der Unterstützung unserer Kunden und Lieferanten abhängig. Das Steuer nicht selbst in der Hand halten zu können, ist aus Managementsicht keine optimale Situation. Dennoch haben wir auch diese Krise bislang gut gemeistert, weil gerade in solchen Phasen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von HELLA immer wieder über sich hinauswachsen. Das zeichnet uns aus.

Wie hält man ein Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten auf Kurs?

Ich würde insbesondere drei Aspekte hervorheben, die aus meiner Sicht wichtig sind. Erstens, klar zu kommunizieren: Was sind die Rahmenbedingungen, vor welcher Herausforderung stehen wir, wie müssen wir reagieren? Zweitens müssen die Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. Drittens muss man vorangehen und sollte nicht nur im Hintergrund agieren. Man muss persönlich dabei sein, wenn wichtige Krisenrunden einberufen oder entscheidende Eskalationsgespräche mit Kunden bzw. Lieferanten geführt werden. Kurzum: Man muss zeigen, dass man Verantwortung übernimmt, auch wenn es stürmisch ist.

Sie sind einmal von einer deutschen Wirtschaftszeitung als „Kostenspezialist" bezeichnet worden, auch aufgrund Ihres Umgangs mit Krisen. Wird Ihnen dieser Ruf gerecht?

Diese Sichtweise mag etwas zugespitzt sein. Zumindest hoffe ich doch, dass ich auch bei technologischen Themen oder sonstigen Managementaspekten den ein oder anderen Akzent setzen konnte. Aber es stimmt schon: Gerade in schwierigen Situationen haben wir es als HELLA Team immer wieder verstanden, das Unternehmen von der Kostenseite her bestmöglich aufzustellen. Insofern kommt der Ruf möglicherweise nicht ganz von ungefähr.

Wissen Sie schon, was Sie am 1. Juli, Ihrem persönlichen Day ONE nach HELLA, machen werden?

Auch wenn es für mich untypisch sein mag: Den Tag habe ich noch nicht im Detail durchgeplant; ein paar Tage habe ich ja noch bei HELLA. Sicherlich werde ich mich künftig aber mit vielen Dingen beschäftigen, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen sind: allen voran meine Familie, aber auch Sport und das Schachspielen beispielsweise.

Was werden Sie nach Ihrem Ausscheiden besonders vermissen?

Vor allem die vielen Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, deren Entwicklung ich mitverfolgen und mitbegleiten durfte, die kontinuierlich in ihren Aufgaben gewachsen sind. Die Zusammenarbeit in den unterschiedlichen Teams, sich auszutauschen, Lösungen zu finden, sich über gemeinsame Erfolge zu freuen – das werde ich ganz sicher vermissen.

Und Ihre Zukunft: Auszeit oder neuer CEO-Posten?

CEO werde ich sicherlich nicht mehr, das kann ich an dieser Stelle ausschließen. Aus meiner Sicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich aus der operativen Verantwortung für ein Unternehmen zurückzuziehen. Ich könnte mir aber gut vorstellen, zukünftig die eine oder andere Aufsichts- oder Beiratsposition wahrzunehmen. Erste Dinge haben sich schon realisiert, alles andere wird die Zukunft zeigen.

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