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15.09.2022
„Licht ist in allen Mobilitätsszenarien wichtig“
Anlässlich der UN Klimawoche (19.-25.09.2022) berichten Anke Sommermeyer, Lead HELLA Sustainability Project Office und Rémi Daudin, VP Sustainable Transformation and Sustainable Materials Division Faurecia, über die Klimaziele von FORVIA.
Anke Sommermeyer (HELLA) und Rémi Daudin (Faurecia) sprechen über die FORVIA Klimaziele
Dienstag 20.09.2022
FORVIA hat sich vor kurzem als erstes Unternehmen der Automobilindustrie dem Net Zero-Standard der Science-based targets initiatives verpflichtet. Was bedeutet das für unsere Klimaziele?
Rémi Daudin: Der Net Zero-Standard ist der ehrgeizigste, wissenschaftlich fundierte Standard für Klimaziele. Die Einhaltung der Normen bedeutet, dass wir bis 2045 90 % unserer absoluten CO2 Emissionen reduzieren müssen. Die restlichen 10 % müssen aus der Atmosphäre entnommen werden, zum Beispiel durch Bindung des CO2 in Kunststoffen in Produkten für den Fahrzeuginnenraum. Die Zertifizierung unserer Netto-Null-Ziele war ein großer Schritt: Unabhängige Experten haben unsere Klimaziele und Roadmaps überprüft und bestätigt, dass wir ehrgeizige, aber realistische Pläne haben.
Anke Sommermeyer: Als FORVIA starten wir mit einem jährlichen CO2 Fußabdruck von rund 40 Millionen Tonnen im Jahr 2019. Das entspricht dem CO2 Fußabdruck von etwa 4 Millionen Menschen in Europa. Demnach haben wir als Unternehmen einen großen Einfluss, unser Engagement für den Klimaschutz ist wichtig und macht einen Unterschied. Unsere anspruchsvollen SBTi-Ziele unterstreichen dies: Die Zeit zu handeln, um die globale Erwärmung zu begrenzen, ist jetzt, dieses Jahrzehnt ist wichtig.
Im Jahr 2025, also in weniger als 3 Jahren, will FORVIA in seinen Fabriken CO2 neutral produzieren. Wie steht es um die Ausführung?
Rémi Daudin: Wir sind mit unseren CO2 Reduktionsplänen auf dem richtigen Weg, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Ein wichtiger Stellhebel zur CO2 Neutralität ist es, weniger Energie zu verbrauchen. Unsere Werke arbeiten weltweit daran, Faurecia wird im Jahr 2022 8 % weniger Strom im Vergleich zu 2021 verbrauchen. Für das nächste Jahr planen wir sogar, weitere 12 % unseres Strombedarfs zu reduzieren. In Anbetracht der aktuellen europäischen Energie- und Gaskrise streben wir an, so viel Gas wie möglich in unseren sieben betroffenen Produktionsprozessen zu ersetzen. Das sieht vielversprechend aus. Außerdem werden wir mittelfristig unsere Gebäude durch den Einsatz von Wärmepumpen heizen und somit so weit wie möglich elektrifizieren.
Anke Sommermeyer: Weniger Energie zu verbrauchen ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, bessere Energie zu nutzen: Wir dürfen ab 2025 keinen Strom mehr aus fossilen Energieträgern nutzen, sondern müssen so viel wie möglich mit erneuerbaren Energien wie Wind- oder Solarenergie arbeiten. Das bedeutet, dass wir im Grunde jeden auslaufenden Energievertrag durch einen mit zertifiziertem Ökostrom ersetzen müssen. Außerdem planen wir sowohl bei HELLA als auch bei Faurecia zahlreiche Photovoltaikanlagen.
Nur ein kleiner Teil unserer Emissionen entfällt auf unsere Produktion. Mehr als 97 Prozent fallen in unserer Wertschöpfungskette an; ein Großteil davon ist mit unseren Produkten verbunden. Was müssen wir tun, um unsere Produkte nachhaltiger zu gestalten und damit die Anforderungen unserer Kunden zu erfüllen?
Anke Sommermeyer: FORVIA Produkte tragen schon heute dazu bei, den CO2 Fußabdruck unserer Kunden zu reduzieren, denken Sie zum Beispiel daran, wie wir zur Elektrifizierung von Fahrzeugen und zur Revolution der Wasserstoffmobilität beitragen. Aber das ist nicht genug: Letztlich haben wir das Ziel, CO2 neutrale Produkte herzustellen. Deshalb müssen wir die Art und Weise, wie wir unsere Produkte entwerfen, produzieren und schließlich recyceln, überdenken - auf eine schlankere, effizientere und umweltfreundlichere Weise. Zum Beispiel erwarten die OEMs, dass wir mehr recycelte Kunststoffe für unsere Produkte verwenden, anstelle des CO2-intensiven Neumaterials. Eine Möglichkeit zur Verwendung von Rezyklat könnte das Gehäuse eines Scheinwerfers sein, dass etwa 1/3 der für einen Scheinwerfer verwendeten Kunststoffe ausmacht. Es gibt jedoch einige Herausforderungen zu bewältigen, die mit dem Preis und der Verfügbarkeit von Rezyklat auf dem internationalen Markt zusammenhängen.
Rémi Daudin: FORVIA hat sich zum Ziel gesetzt, die CO2 Emissionen seiner Produkte in diesem Jahrzehnt nahezu zu halbieren. Konkret wollen wir unsere CO2 Emissionen bis 2030 um 46 % gegenüber 2019 senken. Daher müssen wir alle unsere Produkte auf eine sparsamere Architektur aus nachhaltigen Materialien umstellen, um umweltfreundlicher zu werden. Jedes unserer FORVIA Produkte muss dazu beitragen. Und es ist machbar: Wir haben zum Beispiel an dem Konzept "Seat for the Planet" gearbeitet. Das Ergebnis ist ein Sitz, der dank einer schlanken Architektur, grünem Stahl und Kunststoffen mit Rezyklaten nur die Hälfte seines derzeitigen CO2 Fußabdrucks hat. Unser Geschäftsbereich Sustainable Materials wird uns dabei helfen, diesen Wandel zu beschleunigen, indem wir Lösungen für die FORVIA Geschäftsbereiche und darüber hinaus entwickeln. Unsere jüngste Partnerschaft mit Veolia wird uns bei der Entwicklung von Recycling-Materialien unterstützen und bis 2025 einen durchschnittlichen Anteil von 30 % recycelten Kunststoffen für Innenraummodule erreichen.
Was tun wir, um unsere Stakeholder wie Kunden, Mitarbeiter oder Lieferanten mit in unsere Anstrengungen einzubeziehen?
Anke Sommermeyer: Wichtig ist, dass wir unsere Roadmaps und Prioritäten mit unseren Kunden abstimmen. Wir stehen dazu in einem sehr engen und intensiven Dialog zum Beispiel mit BMW, Daimler oder Volvo, die zu den Vorreitern der Nachhaltigkeitstransformation in unserer Branche gehören. Darüber hinaus beteiligen wir uns an branchenweiten Aktivitäten und tauschen über unsere Netzwerke bewährte Praktiken aus, zum Beispiel in Verbänden der Automobilindustrie wie dem VDA oder der CLEPA.
Rémi Daudin: Darüber hinaus treten wir immer mehr in den Dialog mit unseren Lieferanten und berechnen beispielsweise den CO2 Fußabdruck unserer Produkte. Heute verfügen wir über mehr als 1.700 CO2 Emissionsfaktoren in unserer FACT-Datenbank und mehrere CO2 Berechnungstools, die an die Bedürfnisse der Business Divisions angepasst sind. In Gesprächen mit unseren Lieferanten erhalten wir mehr Einblicke in die CO2 Intensität ihrer Materialien und das künftige Reduktionspotenzial. Außerdem arbeitet FORVIA eng mit anderen führenden Nachhaltigkeitsorganisationen zusammen, die mit Hilfe von gemeinsamen Verpflichtungen und Netzwerken wie dem EpE (Enterprises for the Environment), Movin'On, We Mean Business oder dem French Business Climate Pledge in verschiedenen Wirtschaftszweigen für schnelle Fortschritte sorgen wollen.
Was wünschen Sie sich für den Klimaschutz bei FORVIA?
Rémi Daudin: Noch haben nicht alle die Dringlichkeit verstanden. Wir müssen jetzt handeln. Nachhaltigkeit ist keine Aufgabe für einige wenige FORVIA Spezialisten. Nachhaltigkeit ist die Pflicht eines jeden, und das ist Teil unseres Geschäfts, jeden Tag und überall. Ich vertraue darauf, dass alle unsere Kollegen einen Beitrag leisten und etwas bewirken.
Anke Sommermeyer: Ich stimme zu, wir müssen mehr Geschwindigkeit gewinnen. Alle Mitarbeiter können und sollten dazu beitragen, dass für FORVIA und unseren Planeten kritische und drängende Thema des Klimawandels anzugehen. Und wir sollten nicht vergessen: Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf den Schutz unseres Klimas und unserer Umwelt. Wir befassen uns auch mit sozialen und organisatorischen Fragen, z. B. wie wir die Menschenrechte innerhalb unserer Lieferkette besser schützen können. Auf diese Weise wollen wir einen Beitrag zu einer nachhaltigen und gerechten Welt für die heutigen und künftigen Generationen leisten.