Message from the CEO
21.07.2022
„Wir wollen mehr als Technologie auf den Markt bringen“
Seit Jahren stehen die Lieferketten unter Druck, vor allem setzen ihnen Halbleiterengpässe massiv zu. Für das Management dieser Knappheiten ist die globale Bottleneck Taskforce als HELLA Unternehmer des Jahres 2021 ausgezeichnet worden.
Sebastian Schreiber, Ralf Müller und Ludger Meerbecker (von links nach rechts) haben die Auszeichnung zum Unternehmer des Jahres 2021 stellvertretend für das globale Bottleneck Taskforce Team entgegen genommen
Montag 18.07.2022
Spricht man mit Ludger Meerbecker über die letzten Jahre, fühlt es sich fast so an, als würde er stets aufs Neue vom Regen in die Traufe kommen. Meerbecker leitet bei HELLA das Critical Parts Management, für ihn und sein Team ist spätestens 2019 der Krisenmodus zum Normalzustand geworden. „Globale Lieferketten in der Automobilindustrie sind komplexe, hochpräzise getaktete Prozesse. Da können bereits kleinste Störungen schwerwiegende Folgen haben“, sagt Meerbecker. Und Störungen gab es zuletzt viele.
Erst waren Kondensatoren knapp, kleine Elektronikkomponenten, die in vielen unterschiedlichen Produkten von HELLA verbaut werden. „Alleine dieser Kampf hat uns ein Jahr lang beschäftigt“, sagt Meerbecker. Und erst dann kam Corona, mit all den Werksschließungen und Stilllegungen bei HELLA, Kunden und Lieferanten. Als die Automobilkonjunktur wieder Fahrt aufnahm, fehlten Halbleiter. Zwischendurch blockierte ein Containerschiff den Suez-Kanal, legten Brände und Schneestürme die Betriebe von Lieferanten lahm; der wichtige Seehafen in Shanghai wurde infolge neuer Corona-Lockdowns geschlossen. Seit Ende Februar führt der Angriffskrieg in der Ukraine zu weiteren Belastungen für die Lieferketten.
Vor allem Halbleiterengpässe haben der Automobilbranche massiv zugesetzt, auch sie hängen unmittelbar mit der Corona-Pandemie zusammen. Denn als die Autoindustrie im Frühjahr 2020 fast vollständig heruntergefahren wurde, haben sich Chiphersteller auf andere Abnehmer ausgerichtet, beispielsweise aus der Unterhaltungselektronik. Als der Bedarf aus der Automobilindustrie wieder schneller anzog als erwartet, konnten Fertigungskapazitäten nicht umgehend wieder zurückverlagert werden.
Abgezeichnet haben sich diese Engpässe schon früh. „Bereits Ende 2020 haben wir gesehen, dass da was kommt“, sagt Meerbecker. Denn Halbleiter haben eine Durchlaufzeit von gut sechs Monaten. Was heute fehlt, kann daher so schnell nicht nachgeliefert werden. Der Abriss der Lieferketten aber kam im Sommer letzten Jahres, auch weil Chiphersteller in Malaysia aufgrund der Corona-Pandemie ihre Produktion stilllegen mussten. Unterm Strich konnten rund 10 Millionen Fahrzeuge weltweit deswegen nicht vom Band laufen, der Markt wurde regelrecht dezimiert.
Zu dem Zeitpunkt war das Lieferketten-Management bei HELLA längst eingeschwungen, bereits im Frühjahr 2020 ist eine globale, interdisziplinäre Task Force gebildet worden – zunächst wegen der Corona-Pandemie, dann aufgrund der Halbleiterkrise. So kümmerten sich bis zu 200 Beschäftigte aus allen Bereichen global darum, mit Kunden und Lieferanten zu sprechen, Verfügbarkeiten zu klären, die Kritikalität einzelner Bauteile zu bewerten, Lieferungen sicherzustellen.
Auch deshalb ist HELLA – soweit es die Umstände zugelassen haben – gut durch die Halbleiterkrise gekommen. Für diese Leistung ist nun die globale Bottleneck Taskforce zum Unternehmer des Jahres 2021 bei HELLA ausgezeichnet worden. Mit dem Preis werden bereits seit rund zwanzig Jahren Beschäftigte honoriert, die sich für HELLA in besonderer Weise verdient gemacht, die Unternehmenswerte in vorbildlicher Weise gelebt haben.
Die Auszeichnung hat Ludger Meerbecker zusammen mit Ralf Müller, Leiter Elektronik-Einkauf Commodities, und Sebastian Schreiber aus dem Einkauf Licht, stellvertretend für das weltweite Team entgegengenommen. Während Schreiber vor allem für Leitungshersteller und deren Unterlieferanten zuständig gewesen ist, hat sich Müller primär um die Halbleiterthemen inklusive der Kunden- und Lieferantenkommunikation als auch um die Organisation innerhalb der Task Force gekümmert. Meerbecker hat neben der allgemeinen Lieferkettentransparenz unter anderem die Schnittstelle zwischen Licht und Elektronik bedient.
„Sie und Ihre Teams haben sich rund um die Uhr dafür eingesetzt, dass wir ausreichend Halbleiter beziehen. Nur so ist es gelungen, Produktionsstillstände zu verhindern und die Bänder unserer Kunden am Laufen zu halten“, hebt HELLA Geschäftsführer Bernard Schäferbarthold in seiner Laudatio hervor. „Vor allem haben Sie dazu beigetragen, dass wir unsere Position bei unseren Kunden sogar weiter verbessern und gestärkt aus dieser schwierigen Situation hervorgehen konnten. Dafür sind sowohl Sie persönlich als auch Ihre Teams mehr als nur die Extrameile gegangen. Es war ein Extramarathon.“
Um das bewältigen zu können, habe man eine gute Organisationsstruktur gefunden, sagt Meerbecker. So wurden klare Leads für jeden einzelnen Lieferanten definiert, Wissen weitergegeben. „Bei einer solch globalen Krise muss man als Team arbeiten. Wir haben daher bewusst Verantwortung auf viele Schultern übertragen. Das war sicherlich ein wichtiger Schlüssel.“ Noch entscheidender aber, betont Meerbecker, sei die Motivation aller Beteiligten gewesen, die Bereitschaft, Tag für Tag alles zu geben, um jedes einzelne Teil und jede einzelne Kundenlieferung zu kämpfen. „Dieses Mindset hat uns ausgezeichnet, und vielleicht auch von anderen Marktbegleitern unterschieden.“
Wie lange die derzeitigen Halbleiterknappheiten noch andauern werden, lässt sich derzeit nur schwer vorhersagen. Einer aktuellen Studie zufolge dürften die Knappheiten die Automobilbranche noch mindestens bis 2024 bremsen, vielleicht sogar noch länger. Das Lieferketten-Management bei HELLA wird womöglich einen langen Atem benötigen.