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„Als Führungskraft muss man loslassen können“

Jörg Schock leitet seit einem Jahr das Product Center Automated Driving in der BG Electronics. Woher er kommt, was ihm wichtig ist, wohin er will und was es mit seiner Liebe zu dunklen Bienen auf sich hat, berichtet er im Interview.

Jörg Schock leitet seit einem Jahr das Product Center Automated Driving in der BG Electronics

Jörg Schock leitet in der BG Electronics seit einem Jahr das Product Center Automated Driving. Was ihm dabei wichtig ist, davon berichtet er im Gespräch

Freitag 05.01.2024

Studiert hat Jörg Schock Bauingenieurwesen, seine Karriere begann er bei einer Capgemini-Tochter im Bereich Electronics. Schon bald wechselte er in die Automotive-Sparte und sollte diesem Bereich rund 14 Jahre treu bleiben, zunächst als Project Manager, später als Leiter der Business Unit BMW, die unter seiner Regie von 200 Millionen Euro auf zwei Milliarden Euro Umsatz wuchs. Nach verschiedenen Zwischenstationen kam er nun Anfang letzten Jahres zu HELLA. Seine Mission? Die Performance des Product Center Automated Driving in der Business Group Electronics voranzutreiben.

Herr Schock, Sie bringen sehr viel Erfahrung im Bereich Fahrassistenzsysteme und Automatisiertes Fahren mit. Wie sind wir bei HELLA in diesem Bereich aufgestellt?

Wir sind sehr gut aufgestellt und haben großes Potenzial. So haben wir uns für die kommenden vier Jahre das Ziel gesetzt, jährlich um 40 Prozent zu wachsen. Dafür brauchen wir natürlich die passenden Strukturen und Entscheidungswege und die richtige Einstellung. Daran haben wir in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet. Seit Anfang August letzten Jahres sind wir organisatorisch neu aufgestellt mit einer globalen Matrixorganisation aus Kundenverantwortlichen einerseits und Frontends andererseits. Damit steigern wir unser Umsetzungstempo deutlich und verbessern die interdisziplinäre Zusammenarbeit auf internationalem Level. Außerdem haben wir viel an unserer Kultur gearbeitet, eingefahrene und nicht mehr zeitgemäße Muster über Bord geworfen und neue, extrem wichtige Impulse umgesetzt.

Was heißt das konkret?

Es wurde viel Mikromanagement betrieben. Jede Entscheidung, jede Maßnahme, jede Idee und jeder Handlungsimpuls mussten vor der Umsetzung bis ins kleinste Detail geprüft und von verschiedensten Akteuren abgesegnet werden. Diese Kultur bremst uns aus. Wir brauchen in einer von Geschwindigkeit und Wandel geprägten Welt schlicht mehr Tempo: durch eine agilere und pragmatischere Herangehensweise. Die Mitarbeitenden müssen viel mehr selbst entscheiden, zeitnah, ohne ewig lange Abstimmungsschleifen. Meine Aufgabe als Führungskraft sehe ich darin, meine Leute zu befähigen, ihnen den Mut, und bei Bedarf natürlich auch die Unterstützung, zu geben, die sie brauchen, um eigenverantwortlich und entschlossen zu handeln.

Dazu gehört eine Menge Vertrauen, sowohl auf Ihrer Seite als auch auf der Ihrer Mannschaft, oder?

Ja, natürlich. Als Führungskraft eines agilen Teams muss ich delegieren und loslassen können. Und ich muss damit leben, dass Fehler passieren. Ich persönlich habe meine Leute sogar ausdrücklich dazu ermutigt, Fehler zu machen. Denn nur so können Sie aktiv werden und die Dinge mutig anpacken. Wer keine Fehler macht, der lernt auch nichts. Aber natürlich bin ich immer ansprechbar, unterstütze bei Bedarf und halte meinen Leuten den Rücken frei. Das wissen meine Mitarbeitenden und darauf können sie sich immer verlassen.

Bei aller individuellen Freiheit ist aber doch auch ein gewisses Maß an Standardisierung nötig?

Keine Frage. Das ist aber kein kultureller Aspekt, sondern einer, der unsere Prozesse und Technologien betrifft. Hier geht es in der Tat um eine stringente Plattformentwicklung mit exakten Vorgaben für die Kundenteams, die keinen Interpretationsspielraum zulassen. So können wir unsere Kosten senken und mit gleichbleibender Personaldecke mehr Wachstum generieren.

Bleibt Ihnen da aktuell eigentlich noch Zeit für private Hobbys?

Das ist alles eine Frage der Organisation. Ich bin auch privat an vielen Dingen interessiert und habe in meinem Leben immer auch eigene Projekte umgesetzt. So habe ich zum Beispiel vor Jahren die Non-Profit-Initiative „One Dollar Glasses“ mitgegründet. Die Idee dahinter ist, bedürftigen Menschen, vor allem in den sogenannten Entwicklungsländern, günstige Brillen zur Verfügung zu stellen. Das Projekt finanziert sich ausschließlich aus Spenden und arbeitet mit einem innovativen, kostengünstigen Fertigungsverfahren. Darüber hinaus engagiere ich mich für mehrere Stiftungen und schaue immer wieder rechts und links, wo ich etwas auf die Beine stellen kann für einen guten Zweck.

Ganz schön umtriebig. Und was tun Sie, wenn Sie einfach mal entspannen wollen?

Dann kümmere ich mich um meine Bienen. Ich züchte dunkle Bienen, eine uralte, vom Aussterben bedrohte deutsche Bienenart. Meine paar Völkchen sind auch ganz schön umtriebig. Sie produzieren jährlich rund sieben Tonnen Honig. Das ist schon eine ganze Menge für einen Hobby-Imker wie mich.

Herr Schock, vielen Dank für das Gespräch.

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